Ich bin geblieben
Heute teile ich mit Euch ein Text, der in einer meiner Zeiten mit Gott entstanden ist, auf der Suche nach Gott selbst in meiner Speziellen Situation. Ich glaube fest, dass er auch andere ermutigen kann, in mitten von Stürmen und Glaubenskrisen.
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Ich:
Wenn ich zurückblicke, sehe ich auf einmal klar:
Nicht du, Gott, warst es, der mein Leben zerrissen hat.
Nicht du warst es, der mein Vertrauen erschüttert und tief verletzt hat.
Es war ein Mensch.
Nicht du hast gewollt, dass mein Leben zerstört wird.
Nicht du hast Grenzen verwischt.
Nicht du hast mich verlassen.
Und doch habe ich lange geglaubt, du wärst gegangen.
Jesus:
Ich bin nicht gegangen.
Ich:
Aber wo warst du?
Wo warst du in all den Kämpfen?
Wo warst du, als ich Stück für Stück verlor, was mich ausmachte?
Jeder Teil, der mir heute fehlt, wurde mir nicht kampflos genommen.
Ich habe gekämpft.
Mit jedem Stück meiner Kraft.
Mit jedem Rest meines Mutes.
Doch mit jedem Teil, den dieser Mensch eroberte, wurde ich schwächer.
Mit jedem Verlust verlor ich ein Stück von mir selbst.
Jesus:
Ich habe jeden Kampf gesehen.
Ich:
Dann verstehst du vielleicht, warum ich so zerrissen bin.
Von jedem Teil blieb nur ein kleiner Rest zurück.
Nur Kopf, Hände und Füße funktionierten noch.
Gerade genug, um weiterzugehen.
Gerade genug, um nicht völlig zusammenzubrechen.
Aber der Sturm hörte nicht auf.
Er nahm mir die Kraft.
Er brachte mich aus dem Gleichgewicht.
Und je mehr ich versuchte, die verlorenen Teile wieder einzusammeln, desto schwerer wurde es.
Jesus:
Ich weiß.
Ich:
Irgendwann schien es sogar, als wärst du verschwunden.
Aus meinem Herzen.
Aus meinem Leben.
Aus meinem Leiden.
Aus meinen Freuden.
Mein Kopf wurde so schwer, dass er alles andere zu erdrücken schien.
Die Dunkelheit wurde größer.
Die Depression stärker.
Was blieb, war ein instabiles Gerüst.
Ein paar Ränder dessen, was einmal mein Leben gewesen war.
Jesus:
Und dennoch bin ich geblieben.
Ich:
Wo?
Jesus:
In deinem Herzen.
Dort, wo der Schmerz nicht hinsehen konnte.
Dort, wo die Angst mich nicht erreichen konnte.
Dort, wo selbst die Zerstörung keinen Zugang hatte.
Ich habe dich nicht verlassen.
Ich habe es dir versprochen.
Ich:
Wenn das stimmt, warum fühlt sich dann alles so zerbrochen an?
Warum sitze ich heute vor diesem Scherbenhaufen?
Warum sehe ich überall die Teile meines Lebens verstreut liegen?
Jesus:
Weil etwas Zerbrochenes nicht dadurch heil wird, dass man wegschaut.
Du beginnst jetzt zu sehen, was wirklich geschehen ist.
Nicht ich habe dich verletzt.
Ein Mensch hat gegen dich gehandelt.
Ein Mensch hat Grenzen überschritten.
Ein Mensch hat Schuld auf sich geladen.
Ich:
Aber ich habe verloren.
Jesus:
Du hast gekämpft.
Das ist etwas anderes.
Ich:
Es fühlt sich trotzdem wie Versagen an.
Jesus:
Nein.
Versagen wäre gewesen, wenn du aufgehört hättest zu kämpfen.
Du hast überlebt.
Du hast festgehalten, selbst als du kaum noch Kraft hattest.
Du hast mit meinem Wort gerungen.
Du hast gehofft, gezweifelt, geweint und geschrien.
Und ich war mitten darin.
Ich:
Dann warum hast du nicht früher eingegriffen?
Jesus:
Weil ich den Menschen Freiheit gegeben habe.
Ich wollte, dass er die Wahrheit erkennt.
Ich wollte, dass er umkehrt.
Aber er wollte nicht.
Und als die Zeit gekommen war, habe ich dir die Augen geöffnet.
Nicht um jemanden zu bestrafen.
Sondern damit du gehen kannst.
Damit du das Feld räumst.
Damit das, was noch lebt, geschützt wird.
Ich:
Und jetzt?
Was soll ich jetzt mit all diesen Scherben anfangen?
Ich spüre Wut.
Ich spüre Zorn.
Ich spüre Anspannung in meinem ganzen Körper.
Und gleichzeitig fühle ich mich leer.
Wie soll das jemals wieder heil werden?
Jesus:
Nicht alles auf einmal.
Heute musst du die Scherben nicht zusammensetzen.
Heute darfst du sie ansehen.
Du darfst traurig sein.
Du darfst wütend sein.
Du darfst weinen.
Die Wut erzählt von dem Unrecht, das dir geschehen ist.
Die Trauer erzählt von dem, was verloren ging.
Beides hat seinen Platz.
Ich:
Und wenn ich nicht weiß, wie ich weitergehen soll?
Jesus:
Dann geh den nächsten Schritt.
Nicht den übernächsten.
Nicht den Weg bis zum Ende.
Nur den nächsten.
Ich sammle mit dir auf, was zerbrochen ist.
Ich verachte keine Scherbe.
Ich werfe keinen Teil von dir weg.
Und was heute wie ein Trümmerfeld aussieht, sehe ich bereits als etwas, das wieder zusammenfinden kann.
Nicht genauso wie früher.
Aber wahr.
Ganz.
Und lebendig.
Ich:
Dann sitzt du also nicht außerhalb dieses Scherbenhaufens?
Jesus:
Nein.
Ich sitze mitten darin.
Neben dir.
Und solange du noch fragst, solange du noch ringst, solange du noch hoffst, ist die Geschichte nicht zu Ende.